Therapie bei Rückenschmerzen

Volkskrankheit Rückenschmerzen - Hindernisse bei der Suche nach Hilfe

Der Begriff ist in unserer heutigen Gesellschaft allgegenwärtig und die Ratschläge für Behandlungen bei Rückenschmerzen sind so divers und zahlreich wie auch verwirrend, vor allem für die Betroffenen, die gerne etwas gegen ihre Rückenschmerzen tun wollen. „Der eine sagt so und der andere so…“ und  „ich habe alles schon ausprobiert…“ sind geläufige Ausdrücke im Praxisalltag. Für diejenigen, die lediglich Hilfe bei Rückenproblemen suchen ist das Frustrationsniveau oft sehr hoch, erstens wegen der grundverschiedenen widersprüchlichen Aussagen von Behandelnden und zweitens wegen dem immer weiter schrumpfenden Leistungsanspruch im Gesundheitssystem. Es scheint jedoch eine Sicherheit in diesem Dilemma zu geben: dass chronische Rückenschmerzen erhebliche soziale und wirtschaftliche Konsequenzen für viele Menschen haben.

Behandlung bei Rückenschmerzen: viele Therapien zur Auswahl… aber welche helfen?

Unsere Gesellschaft bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Behandlung bei Rückenschmerzen an. Verschiedene Untersuchungsmethoden, von Anschauen bis hin zur Kernspintomographie, können verwendet werden um das Problem zu erkennen. Nachdem eine Diagnose erstellt wird, haben Patienten und Therapeuten eine breite Auswahl von konservativen Behandlungsmöglichkeiten. Diese reichen von passiven manuellen Anwendungen wie chiropraktisches Justieren und osteopathische Manipulation und ähnlichen Methoden wie Manuelle Therapie, Dorn Preuss Therapie, kraniosakrale Therapie als auch verschiedene Arten von Massagen bis hin  zu aktiven Maßnahmen, wie Dehnübungen, Krafttraining und Stabilisierungsübungen. Bei chronischen, behandlungsresistenten Schmerzen können zur Not medikamentöse Schmerztherapien eingesetzt werden.

Gesundheitstätige in verschiedenen Disziplinen wie Chiropraktik, Krankengymnastik, Osteopathie, Orthopädie, Sportmedizin und Physiotherapie setzen sich ein, um Menschen von ihren schmerzhaften Beschwerden zu befreien. Weiterhin sollte es im Zeitalter der Gerätemedizin wohl an Behandlungstechnik nicht mehr viel fehlen. Doch Schmerzen im Rücken und Bewegungsapparat verursachen trotz allem immer noch eine erhebliche Minderung der Lebensqualität und breitläufige soziale und wirtschaftliche Beeinträchtigungen.

Warum ist das Thema „Rückenschmerzen“ trotz dieser vielen Ressourcen so ein kniffeliges Rätsel? Die Antwort lautet: Rückenschmerzen sind kein einfaches Problem, daher gibt es auch keine einfache Lösung.

Ursachen von Rückenschmerzen

Die Realität über Rückenschmerzen – ein Problem mit diversen Ursachen, die diverse Therapien benötigt.

Die Wahrheit über Rückenschmerzen und weiter betrachtet, Schmerzen überall im Bewegungsapparat ist bedauerlicherweise, dass es keine leichte einzelne Lösung gibt. Dies liegt an der vielseitigen Natur der Problematik, die einem unzertrennlichen biomechanischen Zusammenhang zwischen Wirbelsäule und Extremitäten (Bewegungsapparat) unter Vernetzung unseres Nervensystems zugrunde liegt.  Dies baut im Zusammenspiel mit unserer Arbeit und gesellschaftlichen Bedingungen, in einem Körper-unfreundlichem industrialisierten Zeitalter eine mehrschichtige Problematik auf, die auch tiefe Wurzeln in der menschlichen Psyche hat.

Vor allem wird die Lage erschwert durch ein fehlendes Verstehen für die Ursachen von Schmerzen im Bewegungsapparat, sowohl von Laien als auch von Heilberufstätigen. Der geläufige Einsatz von passiven, symptomorientierten Therapien, wie zum Beispiel Schmerzmitteleinnahme und einseitige physikalische Maßnahmen, lässt diesen Missstand leicht erkennen.

Es gibt viele Ursachen für Schmerzen im Rücken und Bewegungsapparat

Schmerzen können viele Quellen haben und der erste Schritt in dem Lösungsweg ist diese zu verstehen. Schmerzen entstehen durch Folgen von Gelenkblockaden und Verspannungen, Verletzungen wie Zerrungen und Verstauchungen, als Folgen von strukturellen Beeinträchtigungen, wie Skoliose oder einer Beinlängendifferenz, oder auch durch Verschleiß wie Arthrose oder Bandscheibenvorfälle. Bei allen genannten Schmerzquellen ist eine Entzündung eine mögliche Konsequenz und sollte mit behandelt werden aber nicht, wie so oft, als das grundlegende Problem betrachtet werden.

Gelenkdysfunktion der Wirbelsäule und Extremitäten

„Funktionsstörungen“ - Gelenkblockaden und Verspannungen

Trotz des banalen Klangs des Begriffs „Funktionsstörung“ können Gelenkblockaden, und daraus folgende Verspannungen und Einschränkungen, extreme Beeinträchtigungen verursachen. Nach unserer Kenntnis sind diese „funktionellen“ Erkrankungen für die Mehrheit von schmerzhaften Beschwerden im Bewegungsapparat, teilweise oder vollständig, verantwortlich. Unter dem Begriff Gelenkdysfunktion versteht man Fixierungen und Fehlstellungen von Gelenken der Wirbelsäule und Extremitäten, die schließlich außerhalb der Selbstheilungskraft des Körpers stehen und sich deswegen selbstfördernd und progressiv verschlimmern und vermehren können, bis diese oder deren Folgen Schmerzen und Einschränkungen verursachen. Symptome von Gelenkdysfunktionen in Hals-, Brust-, und Lendenwirbelsäule sind divers und oft schwierig von anderen z.B. organischen Erkrankungen zu differenzieren. Beschwerden von Funktionsstörungen in der Wirbelsäule reichen von Einschränkungen und Schmerzen, wie z.B. Kopfschmerzen, bis hin zu Schwindel, Tinnitus, oder unscharfem Sehen. Wirbelsäulenprobleme können auch andere bedenkliche Symptome, wie erschwertes Atmen, Brustkorbschmerzen, Herzrasen, Herzklopfen und sonstige subjektive Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Blockaden in der Wirbelsäule können auch allgemeine vegetative Störungen wie Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Nervosität hervorrufen. Dies ist der Grund dafür, dass Chiropraktoren auch in allgemeiner differenzieller Diagnose, Neurologie, und Pathologie ausgebildet sind.

Gelenkdysfunktionen und ihre muskulären Mitverursacher/Folgen wie chronische Verspannungen, Muskelverhärtungen und Zerrungen, einschließlich Myofasziale Triggerpunkte, haben im Volksmund viele Namen, wie z.B. „Blockaden“, „ausgerenkt sein“, „Hexenschuss“, „Ischias“ usw. Dies sind alles einfache Ausdrücke für unsere Wahrnehmung von komplizierten Krankheitsbildern, verursacht durch vielseitige, biomechanische und neurologische Verläufe, die selbst für erfahrene Therapeuten schwierig auseinander zu halten sind und für den betroffenen Laien sowieso.

Sonstige Ursachen von Rückenschmerzen

Verletzungen

Schmerzen im Bewegungsapparat können als Folgen von akuten oder chronischen Verletzungen hervorgerufen werden. Die Ursachen können akute Ereignisse z.B. Sportverletzungen, wie Verstauchungen und Zerrungen oder sonstige Strapazen wie Verhebetrauma oder Überbeanspruchung sein. Es kann auch chronische Ursachen geben, im Sinne dauerhafter Überbelastung durch unsere Tätigkeit, wie übermäßige oder wiederholte verkehrte Bewegungen, besonderes mit großem Krafteinsatz. Verletzungen können auch indirekt von negativen körperlichen Eigenschaften hervorgerufen werden, z.B. Haltungsschwäche/Haltungsschäden oder Muskelschwächen bzw. Muskeldysbalancen. Hier spielen strukturelle Beeinträchtigungen, wie unten aufgeführt, auch eine Rolle. Je nach Ausmaß der bestimmten Schäden werden Schmerznerven aktiv, um die Störung zu melden.

Bei heftigem Ausmaß der Verletzung wird möglicherweise eine Entzündung in Gang gesetzt, was das Schmerzempfinden noch stärker werden lässt. Sollte die Verletzung schwer sein oder mehrmals auf Dauer wiederholt werden, können normale Heilungsprozesse, besonders aufgrund einer solchen Entzündung, zu Ablagerungen von Narbengewebe, auch Fibrosen oder Adhäsionen genannt, in den betroffenen Geweben führen. Solche Vernarbungen können ein ständiger Reiz für die Schmerzsymptomatik sein. Noch wichtiger, die „Verklebungen“ können die Elastizität und Belastbarkeit von Muskeln und Sehnen mindern und so für weitere Verletzungen und Entzündungen anfällig machen. Solche dauerhaften Erkrankungen von Muskeln, Sehnen und Faszien sind eng verwandt mit dem sogenannten „myofaszialen Schmerzsyndrom“, das diverse, unberechenbare und teilweise schwere Symptome und Einschränkungen verursachen kann.

Strukturelle Beeinträchtigungen

Schmerzen in Rücken- und Extremitäten können auch aufgrund „struktureller“ Probleme, wie z.B. Skoliose (Rückgratverkrümmung) oder eines anatomischen Beinlängenunterschiedes entstehen. Diese können sowohl angeboren oder entwicklungsbedingt sein, beispielsweise Klumpfuß oder Skoliose, als auch erworbene oder degenerative Probleme, wie beispielsweise Senkfuß oder Bandscheibenschaden sein. Im Fall solcher erworbenen degenerativen Probleme, wie unten aufgeführt, spielen allgemeine Gesundheit, Ernährung, körperliche Bewegung und Belastung, aber vor allem die Genetik entscheidende Rollen. Die Rolle einer angemessenen Behandlung solcher Beeinträchtigungen ist es, deren Auswirkungen möglichst zu mindern, um den Körper zu unterstützen.

Verschleiß – Arthrose, Bandscheibenprobleme

Oft werden degenerative Ursachen (Verschleiß) wie zum Beispiel Arthrose,  Bandscheibenvorfälle und -vorwölbungen, oder Spinalkanalstenose beschuldigt. Diese Erkrankungen sind leicht durch bildgebende Verfahren festzustellen und können durchaus Beschwerden hervorrufen, aber es ist auch bekannt, dass nur ein geringer Zusammenhang zwischen abgebildeten Degenerationen und bestehenden Schmerzsymptomatik besteht. Dies bedeutet, dass Verschleißerscheinungen kein Urteil für Beschwerden sind, doch alle zu oft heißt es, „Sie haben Arthrose, Sie müssen mit ihren Schmerzen leben.“

Untersuchung, Behandlungsplan, Durchführung

Die Wahl der Behandlung richtet sich nach der  Diagnose

Der Schlüssel zu einem Behandlungserfolg ist eine akkurate Diagnose durch eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung. Wegen der oben aufgeführten Tatsachen ist meist mehr als ein Problem im Spiel und deshalb ist Aufmerksamkeit gefragt, die nur in ruhiger, nicht verhetzter Arbeitsatmosphäre möglich ist. Die erste Priorität ist der Ausschluss ernsthafter Krankheiten und Kontraindikationen, um sicher zu gehen, dass für den Patienten keine Gefahr bei der Behandlung besteht, bzw. um ihn bei einer ernsthaften Verdachtsdiagnose an eine andere Fachperson weiterleiten zu können. Wie oben angedeutet ist der Einsatz von bildgebenden Verfahren manchmal sinnvoll und manchmal auch unerlässlich. Generell akzeptierte internationale Leitlinien geben aber vor, dass bei unkomplizierten Fällen, in Abwesenheit von Trauma oder Verdacht auf ernsthafte Krankheiten, eine eingehende physikalische Untersuchung ausreichen sollte und aus Strahlungsschutzgründen auf eine pauschalisierte Röntgenuntersuchung verzichtet werden sollte.

Nach dem Ergebnis der Krankengeschichte und Untersuchung wird die Diagnose erstellt, die erstmals ein Verdacht ist, der durch einen passenden Therapieverlauf und dessen Erfolg bestätigt werden sollte. Hier ist es entscheidend, alle Aspekte von der bestehenden Problematik zu erkennen, um einen effektiven Therapieplan zu erstellen. Alles von Funktionsstörungen, bis hin zu strukturellen Beeinträchtigungen und arbeits-/freizeitbedingten Fehlbelastungen muss betrachtet werden. Nur so können alle Reize des Problems durch passive und aktive Behandlungsmethoden beseitigt oder gemindert werden. Wenn die Diagnose stimmt, und die Behandlung fachgerecht und konsequent durchgeführt wird, dann sollte auch ein Erfolg eintreten. Doch die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Schwere der Problematik und muss manchmal solange durchgeführt werden, bis der Körper wieder im Gleichgewicht ist. Es ist auch notwendig dem Körper genügend Zeit zu geben sich zu erholen. Wenn aber kein Erfolg zu erkennen ist, auch nachdem eine entsprechende Geduld gezeigt wurde, dann müssen andere Diagnosen oder Ursachen in Betracht gezogen und der Behandlungsplan umgestellt werden.

Geduld und Durchhaltevermögen ist gefragt

Dieser Verlauf ist für Therapeut und Patient manchmal anstrengend und in der Zeit der immer kürzeren Arztermine und knappen Ressourcen nur sehr schwer vorstellbar. Wer sich (Patient und auch Therapeut) aber Zeit nimmt und Durchhaltevermögen zeigt, hat die besten Chancen. Geduld, Optimismus und Durchhaltevermögen sind gefragt, insbesondere bei chronischen und vielseitigen Problemen, die sich wegen bisheriger symptomorientierter oder unpassender/fehlender Behandlung chronifiziert haben.

Vor allem dürfen der Betroffene und sein Therapeut nicht davon ausgehen, dass es immer eine schnelle, einfache und annehmliche Lösung gibt und dass die eigene Gesundheit erste Priorität haben muss. Wenn aber aus Frust, Unmut oder Unwissenheit frühzeitig gesagt wird „es hilft alles nichts“, „es bleibt nur eine Operation“, oder „Sie müssen damit leben“ dann ist der Kampf schon verloren. Hier ist die individuelle Beratung (zwangsläufig auch die notwendige Zeit dazu) unerlässlich, so dass der Patient seine konkrete individuelle Problematik und alle ihre Aspekte verstehen und dagegen richtig vorgehen kann.

Leider sind diese Voraussetzungen direkt entgegen den heutigen Trends der Gesundheitspolitik, was aber nichts an der Problematik Rückenschmerzen ändert. Wie schon gesagt: kein einfaches Problem, keine einfache Lösung.